KULTURSALON 43

Trotz allem sollt Ihr Euch vergnügen
Der Franz-Rosenzweig-Gastprofessor Philip Bohlman zu Besuch
12. Juli 2014, 19.00 Uhr im Furore Verlag, Naumburger Str. 40, 34127 Kassel

 

Vortrag, Gedichte und Lieder
Szenische Bilder aus Viktor Ullmanns
„Die Weise von Liebe und Tod des Cornets Christoph Rilke“ (1944)

Musik:
Christine Wilkie Bohlman
Lecturer für Klavier und Kammermusik
an der University of Chicago

Philip Bohlman
Mary Werkman Distinguished Service
Professor of Music and the Humanities
an der University of Chicago / Franz-Rosenzweig-Gastprofessor, Universität Kassel

Seinen Sie alle herzlich begrüßt zu unserem 42. Kasseler Kultursalon.  Schön, dass Sie gekommen sind zu diesem ganz besonderen Salon. Ganz besonders herzlich begrüße ich unsere special guests heute Abend:   Christine Wilkie-Bohlman und Philip Bohlman aus Chicago!! Unser Salon wird international,das Bedarf eines besonderen Applauses.
Ich bin Eva Schulz-Jander von Kasseler Kulturforum. In Kassel gibt es an der Univ. eine inzwischen 28-jährige Tradition, die der Franz Rosenzweig-Gastprofessur. Sie erinnern sich vielleicht, dass wir den  38. Salon Franz Rosenzweig gewidmet haben. So haben wir vom Kasseler Kultursalon die Gelegenheit genutzt, um den gegenwärtigen Gastprofessor in unseren Sommersalon einzuladen.

Für alle, die zum ersten Mal in unserem Salon sind, möchte ich noch etwas über das Konzept des Salons sagen. Ein Salon ist ein Raum in dem, wir uns in ungezwungener Atmosphäre,  mit Anderen über kulturelle Themen im weitesten Sinne austauschen können.  Der Kasseler Kultursalon war und ist, seit seiner Gründung 1998, auf der Suche nach neuen Wegen in der Kultur.  Unser Salon ist ein geselliger Ort, an dem keine fertigen Konzepte uns beschäftigen, sondern die Prozesse, das Offene, das noch Wandelbare, die Wege zum künstlerischen Objekt, ganz gleich ob es sich um Literatur, Malerei, oder Musik handelt. Der Titel des heutigen Salons mag Sie überrascht haben. Mal ganz ehrlich, wie viele von Ihnen kennen das Prosagedicht Rilkes. Ist es nicht wunderbar, dass zu uns aus Chicago kommt? Es ist ein Jugendwerk, geschrieben im Rausch in einer Nacht, es hat etwas Unfertiges, Stürmisches, Prozesshaftes und Wandelbares, also für unseren Salon geeignet. Und Ullmann, wie Sie in der Einladung gelesen haben, hat er sein Melodram In Theresienstadt 1944 komponiert. Es ist sein letztes Werk. In Theresienstadt, dem Ort des Schreckens, der Menschenverachtung war es die Kunst, die den Menschen ihre Würde bewahrte. Es ist eigentlich unfassbar, wie unerschütterlich Viktor Ullmann an die andere deutsche Kultur zu glauben nicht aufhörte, sagte Norbert Ely im Deutschlandfunk. Es ist ein Werk des Trotzes, „Trotz allem sollt Ihr Euch vergnügen“. Die Macht der Kunst ist unermesslich. „Möge die Kunst auch Täuschung und Illusion sein, schrieb Schiller, ein „Reich der Träume“, aber grade in dieser Täuschung lebt die Wahrheit fort.“  Dieses Werk erschließt uns eine Wahrheit, die wir heute entdecken können in der Darbietung von Christine Wilkie-Bohlman und Philip Bohlman, die ich Ihnen jetzt noch vorstellen möchte.
Christine Wilkie Bohlman unterrichtet Klavier und Kammer Musik an Universität von Chicago. Als Pianistin gilt ihr besonderes Interesse der Kammer- und der Tastenmusik des 18. Und 20.
Jahrhunderts. Sie studierte unter anderem mit Menachem Pressler, Aiko Onishi, und Russell Sherman. Ihre öffentlichen Auftritte waren bei Tufts University, der University of Texas, der American Academy in Berlin, sowie an der Universität der Künste Berlin. Zusammen mit Philip Bohlman bereitet sie eine Aufnahme von Viktor Ullmann’s Die Weise von Liebe und Tod des Cornets Christoph Rilke und Oskar Fried’s Die Auswanderer  vor. Aber heute ist sie erst Mal bei uns und wir freuen uns sehr.

Philip Bolhman – Rosenzweiggastprofessor ist  ebenso wie seine Frau, Professor an der Univ. of Chicago unterrichtet aber auch in Hannover und war als Gastprofessor in Freiburg und an der Humboldt-Univ. Berlin. Zu seinen Forschungsgebieten gehören die jüdische Musik und Kultur in der Moderne.  Er zählt zu den herausragenden Musikethnologen der Gegenwart. Aber nicht nur die Theorie und die Forschung sind Philip Bohlmans Gebiete, nein auch der künstlerischen Praxis gilt seine Leidenschaft. Er ist Gründer und künstlerischer Leiter der New Budapest Orpheum Society, mit dem  er erst kürzlich in Berlin war. Das Ensemble widmet sich höchst erfolgreich der Wiederbelebung jüdischen Kabarett-Traditionen des 20. Jahrhunderts.

Im Anschluss gibt es, wie immer, ein selbstgemachtes Buffet, für Sie mit Liebe vorbereitet. Wir laden Sie also ein, die Gelegenheit zu nutzen sich über das Erlebte und Gehörte miteinander und mit den Künstlern auszutauschen.

Ich wünsche uns allen einen wunderbaren Abend.