KULTURSALON 48

Einführung in den 48. Kultursalon Elisabeth Selbert und die Gleichstellung der Frau

Gehört habenSie soeben Caterina Valente und Peter Alexander mit Eventuell, Eventuell, als ob Sie es nicht erkannt hätten.

Ich wünsche Ihnen einen wunderbaren Sonntag und freue mich, dass wir einen Teil dieses Tages zusammen verbringen können. Mein Name ist Eva Schulz-Jander vom Kasseler Kulturforum und ich begrüße Sie alle ganz herzlich zu unserem traditionellen Nikolaussalon, dem 48. 18 Jahre Kasseler Kulturtraditiondurch Kultrusalons.

Ach ja zur Musik, wir haben ja immer live Musik im Salon gehabt, aber für heute haben wir uns etwas ganz besonderes vorgestellt, wir werden sie auf eine kleine Erinnerungsreise in die fünfziger Jahre nehmen, indem wir Ihnen Schlager aus der Zeit, als Elisabeth Selbert für die Gleichstellung der Frau kämpfte, vorspielen und hoffen, dass sie Ihnen Freude und viel Vergnügen bringen.

In zwei Tagen ist Nikolaustag, und obwohl wir alle eigentlich nicht mehr an den Nikolaustag glauben, denken wir alle gern an unsere Kindheit als wir unschuldig waren und darum schenken wir ihnen, etwas vorgezogen aber dennoch diesen 48. Kultursalon zum Nikolaustag.

Einige von Ihnen sind zum ersten Mal bei uns, darüber freuen wir uns und glauben, dass auch Sie bald zum einem Salonier oder einer Salonière werden. So sollen Sie auch etwas über den Salon erfahren, ehe Sie ihn live erleben. Keiner ist wie der andere. jeder Salon ist ein künstlerisches Unikat.

Also gegründet wurde der Salon 1998 und seither sind wir auf der Suche nach neuen Wegen in der Kultur. Es sind nicht die fertigen Konzepte, die uns beschäftigen, sondern die Prozesse, das Offene, das noch Wandelbare, die Wege zum künstlerischen Objekt, der verborgene Schatz, der noch gehoben werden muss, ganz gleich ob es sich um Literatur, Malerei, Musik oder Politik handelt.

Geplant und gestaltet wird dieser Kultursalon von:

dem Kasseler Kulturform

Der Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit

den vier Kasseler Verlagen: Furore, Euregio, Merseburger und pan Verlag und

artisan, dem Verein zur Förderung von Kunst und Kultur

in Rothenditmold und Nord-Holland e.V.

Der heutige Salon ist ein Teil unser losen Folge:  Kasseler Familien . heute geht es um Elisabeth Selbert: unter dem Titel „Der Weg ist noch lange nicht zu Ende. Elisabeth Selbert und die Gleichstellung der Frau statt und als Gäste haben wir Susanne Selbert, die Enkelin und Hans Eichel eingeladen, die ich beide hier ganz besonders herzlich begrüße.  Schön, dass Sie die Zeit gefunden haben zu uns zu kommen und Erinnerungen und Erfahrungen mit uns zu teilen.

Die Gleichstellung der Frau und der Weg, der hinter und der der vor uns liegt.  War es nicht ein Jahr der Frau dieses 2016, das vor und rückwärts zeigte?  Hillary Clinton verlor die Wahl zum höchsten Amt in den USA,  aber, dass sie es so weit schaffte ist in sich ein Zeichen, Angela Merkel kandidiert wieder und wird als mächtigste Frau in Europa bezeichnet. Die deutschen Fußballerinnen sind Olympiasiegerinnen, in Kassel wird eine Statue von Linda Cunningham errichtet werden in Erinnerung an 11 denkwürdige Kasseler Frauen, die Geschichte gemacht haben. Elisabeth Selbert hätte sich gefreut, aber ohne sie wären wir nicht so weit gekommen, sie hat die juristische Grundlage gelegt mit einem so einfachen Satz, im Artikel 3 des Grundgesetzes steht Männer und Frauen sind gleichberechtigt. Dass der Weg noch lang ist, zeigt, dass viele Frauen Trump, den misogynen Vielschwätzer gewählt haben, dass gleicher Lohn für gleiche Arbeit noch lange nicht in unserer Marktwirtschaft Realität ist, dass nicht in jedem Konzert das Werk eine Komponistin aufgeführt wird, und und und. Der Weg ist klar  es liegt an uns, ihn zu gehen. Wir haben eine juristische Grundlage auf der wir aufbauen und weiterbauen können und müssen.

Elisabeth Selbert hat uns einen Schatz vermacht, wenden wir uns ihr zu, der Frau aus dem Haus am Brasselsberg, wie Susanne Selbert sie in dem Buch beschreibt.

Obwohl die beiden Ehrengäste Ihnen allen irgend wie bekannt sind möchte ich sie Ihnen doch noch kurz vorstellen.

Susanne Selbert kommt aus einer Familie starker Frauen, die Großmutter Elisabeth Selbert, die Mutter Ruth Selbert, uns allen bekannt als aktive  langjährige SPD-Stadtverordnete und sonst bekannt als  engagierte Frau in der Stadt. Susanne Selbert ist ihren eigenen Weg gegangen.  Juristin mit praktischer Erfahrung, die das Studium mit einem Prädikatsexamen abgeschlossen hat, ist sie seit 2009 Vizelandrätin. Sie ist  verheiratet und Mutter zweier Kinder. Sie schafft das alles. Susanne kann zuhören, ihr Denken ist frei von Vorurteilen und unabhängig. Schon immer hat sie über den Tellerrand geschaut, war früh im Ausland in Strasbourg. Im Landkreis und der Stadt unterstützt sie die Kultur und hat ihre Großmutter liebevoll in diesem Buch vorgestellt.  Wir freuen uns Susanne, dass du heute gekommen bist und dir die Zeit genommen hast.

Und Hans Eichel? Als jüngster Oberbürgermeister der Stadt Kassel kennen wir ihr alle, ebenso wie als Ministerpräsident und Bundesfinanzminister.  Aber Hans Eichel ist auch Buchautor zBsp KASSEL HEUTE in fünf Sprachen, oder Hessenbilder literarische Momentaufnahmen ein Lesebuch,  Elizabeth Selbert, und viele mehr. Er ist veheiratet mit Gabi Wolf, auch das muss man wissen. Aber, was es mich drängt zu sagen ist, Hans Eichel hat als einer der Ersten während seiner OB-Zeit die Aufarbeitung der Nazivergangenheit in Kassel unterstützt, gefördert und auf den Weg gebracht.  Er hat immer alle Arbeit des Dialogs Christen Juden gefördert und unterstützt, gegen Fremdenhass publiziert, sich geäußert und öffentlich positioniert. Hans Eichel ist ein liberaler Geist, deshalb kann er auch ein Buch mit dem Titel Der Weg zur Gleichstellung der Frau ist noch lange nicht zu Ende“

Eva Schulz-Jander                                                          Dez 04, 2016

 

 

 

KULTURSALON 47

Der türkische Messias und seine Anhänger
Sonntag, 24. Juli 2016, 12:00 Uhr im Furore Verlag, Naumburger Str. 40, 34127 Kassel

 

Dr. Eva Schulz-Jander im Gespräch mit Prof. Dr. Micha Brumlik Franz-Rosenzweig-Gastprofessor der Universität Kassel Sommersemester 2016

Musikalische Einwürfe Chasan Daniel Kempin

v.l.n.r. Dr. Eva Schulz-Jander, Chasan Daniel Kempin, Waltraud Wesselmann, Prof. Dr. Micha Brumlik und Renate Matthei
v.l.n.r. Dr. Eva Schulz-Jander, Chasan Daniel Kempin, Waltraud Wesselmann, Prof. Dr. Micha Brumlik und Renate Matthei

Ich möchte die heutigen Gäste Prof. Dr. Micha Brumlik, Rosenzweig-Gastprofessor 2016 und Chasan Daniel Kempin ganz herzlich begrüßen.  Was ein Professor ist, wissen Sie alle aber ein Chasan ist vielleicht nicht allen bekannt.  Es ist die hebräische Bezeichnung für den Vorbeter bzw. Kantor in der Synagoge. Micha Brumlik, den Publizisten, Erziehungs-wissenschaftler und Querdenker vorzustellen ist nicht einfach, es gibt so viele Gebiete, auf den er aktiv ist, so viel zu sagen. Er ist jemand, der sich einmischt in die politischen und gesellschaftlichen, die religiösen und kulturellen Debatten.  Dies geschieht auf der akademischen Ebene ebenso wie publizistisch in den Medien, Zeitungen, Radio, Fernsehen. Seit ich mich erinnern kann ist er aktiv im christlich-jüdischen, interreligiösen Gespräch. Geboren in der Schweiz, aufgewachsen in Frankfurt / Main, studierte er Pädagogik, Philosophie und Soziologie in Israel und Frankfurt, war an den Universitäten in Göttingen und Mainz, Assistenzprofessor in Hamburg, Prof. in Heidelberg, Direktor des Fritz-Bauerinstituts 2000 bis 2005, und von 2000-2013 Prof. in Frankfurt. Ein Teil seines Wirkens, der andere Teil der politische und publizistische – von 1989-2001 Ks_47_1Stadtverordneter in Frankfurt für die GRÜNEN, er mischt sich ein in gesellschaftspolitische Debatten: als Gastautor bei mehreren Zeitungen, veröffentlicht Sachbücher, Essays, ist Herausgeber einer Zeitschrift.  Bekannt als eine wichtige jüdische Stimme aus und in Deutschland.
Und Chasan Daniel Kempin?  Die melodisch-jüdische Stimme in und  aus Deutschland. Geboren in Deutschland, aufgewachsen in Darmstadt studierte anfangs klassische Gitarre und Musik in Darmstadt, anschießend Judaistik in Frankfurt und Jerusalem, wo er bereits eine Sammlung von rund 6000 jiddischen Liedern anlegte.  Daniel Kempin ist ein mutiger Musiker. Während der irakischen Raketen-Bombardements auf Israel im Golfkrieg war er dort und flog nicht zurück ins sichere Deutschland, sondern blieb bei seinen Freunden. In England und Israel besuchte er Sprachkurse in Jiddisch. Seit 1983 gibt er auch international Konzerte mit jüdischen Liedern, unter anderem in der Schweiz, in Luxemburg, Großbritannien, Polen, Russland, Litauen, Lettland, Israel und den USA. Und hat mit Kursen und Workshops zur Tradierung des Jiddischen Liedgutes beigetragen. Und heute ist er zu uns gekommen, in unseren Salon.

Wir laden Sie ein, die Gelegenheit zu nutzen sich über das Erlebte und Gehörte miteinander und natürlich mit unseren Gästen zu unterhalten. Hören wir Ihnen nun zu, den jüdischen Stimmen.

KULTURSALON 46

Johann Benjamin Groß (1809–1848)
Die Wiederentdeckung des großen Komponisten der Spohr-Zeit
6. Dezember 2015, 16.30 Uhr im Furore Verlag, Naumburger Str. 40, 34127 Kassel

 

Eva Schulz-Jander im Gespräch mit Folckert Lüken-Isberner
über seinen Ururgroßvater Johann Benjamin Groß

Musik:
Johann Benjamin Groß
Rondo aus: Sonate für 2 Violoncelli
Ballade op. 26/4 für Violoncello und Klavier
Andante aus: Zwei leichte Duette für 2 Violoncelli
Sonate für 2 Violoncelli: Kasseler Erstaufführung

Barbara Gabler, Violoncello und Klavier
Felix Krämer, Violoncello

Ks_46_2Das Werkverzeichnis von Johann Benjamin Groß ist geprägt durch seine Kompositionen für Violoncello. Auf diesem Instrument brillierte er als Solocellist in Gewandhauskonzerten in Leipzig ebenso wie später in Petersburg. Er trug 1846/47 entscheidend zur Etablierung der bis dahin in Petersburg wenig entwickelten Streichquartett-kultur bei und schrieb damit Musikgeschichte. In Leipzig musizierte Groß mit Clara Wieck und war kurzzeitig ihr Kompositionslehrer.

Sie hörten von den verborgenen Schätzen, die gehoben werden müssen, um einen solchen Schatz handelt es sich heute im Salon.  Kassel scheint ein besonderer Ort der Schatzsuche zu sein. Die Schatzsuche ist in unserem kulturellen Gedächtnis fest verankert.  Seit der Antike begeben Menschen sich auf die Suche nach einem verborgenen Schatz, der dann aber, von teuflischen Wesen, Zwergen, Drachen oder Riesen bewacht wird. Den Nibelungenhort oder den Drachenhort kennen sie Alle.  Ja aber wir leben nicht mehr im Mittelalter Ks_46_3und glauben weder an überirrdische Wesen noch an den Nikolaus, weshalb es sich auch um Schätze anderer Substanz handelt, denen wir nachjagen.  Nur verborgen sind sie wie die des Mittelalters. Sie erinnern sich, beim 19. Kultursalon, 2004, vor elf Jahren, stand auch ein Ur-ur-Enkel hier, Helmuth Greger und sprach über seine Ur-ur-Großmutter, Luise Greger, deren Lied- und Kompositionsschatz er gehoben hatte. Der Salon wurde zur Keimzelle der Luise Greger Renaissance.
Unser special guest heute Nachmittag / Abend ist Folckert Lüken-Isberner. Diesen Schatzsucher und Schatzgräber möchte ich Ihnen noch kurz vorstellen. Folckert Lüken-Isberner hat in Detmold Innenarchitektur sowie in Berlin Architektur und Stadt- und Regionalplanung studiert und arbeitete u.a. bei Hans Scharoun. Er war Assistent an der TU Berlin (Wohnungsbau und Stadtteilplanung) und an der Universität Kassel (Stadterneuerung), hatte Lehraufträge in Kassel und Fritzlar, arbeitete in einem Mieterverband und bei einem Wohnungs- und Städtebauunternehmen. Er war Fachgebietsleiter bzw. Projektleiter für regionale Entwicklungskonzepte bei dem landesgebundenen Unternehmen Hessen Agentur. Er hat Tagungen organisiert, Ausstellungen konzipiert, vieles veröffentlicht, und seit seiner Pensionierung ist er zum Schatzsucher geworden, auf der Spur der Städte und der eigenen Geschichte. Von letzterer werden Sie bald mehr erfahren. Jetzt lehnen Sie sich zurück und genießen das Rondo aus der Sonate für 2. Violoncelli von Johann Benjamin Groß.